Gutachten belastet Bank Austria

Nun liegt das erste Gutachten eines österreichischen Gerichtssachverständigen vor, wie „Die Presse“ berichtet.

Laut dem Gerichtsgutachter Erich Pitak waren die Fondsprospekte von Primeo unvollständig.
Er kritisiert insbesondere, dass die beauftragte Depotbank (Bank of Bermuda) von der Haftung weitgehend befreit wurde: „Damit wird von einem der wichtigsten Prinzipien des österreichischen Investmentfondsrechts abgewichen.“ Dies hätte mit einem deutlichen Risikohinweis im Fondsprospekt klargestellt werden müssen, zitiert die Tageszeitung aus dem Gutachten des Experten.

Zudem sei die Fondskonstruktion des Primeo gänzlich anders als bei österreichischen Fonds – es könne also hier keine Marktüblichkeit gegeben sein. Der Gutachter kritisiert weiters, dass Anleger nicht ausreichend über die Risken informiert wurden. Im Emissionsprospekt vom Mai 2001 fehle „ein deutlicher, drucktechnisch hervorgehobener Hinweis auf das Risiko mit Geschäften mit derivativen Produkten“.

Pitak kritisiere im Gutachten auch die Bewertungsmethoden, so die Tageszeitung: „Auch bei den Bewertungen der Vermögenswerte ist es als gravierendes operationelles Risiko zu betrachten, wenn sich Vorstand, Berater und Fondsverwalter nur auf jene Bewertungen verlassen, die von den Managern, bei denen der Fonds investiert war, geliefert werden.“ Dies bedeute nämlich, dass sich der externe Manager – im konkreten Fall Madoff – selbst bewerten kann.

Durchbruch für Anleger?

Für Anlegeranwälte steht fest, dass die Bank für die entstandenen Schäden wird haften müssen. „Die Expertise von Erich Pitak kann als Durchbruch für alle Geschädigten angesehen werden“, werden die Anwälte Ronald und Thomas Rast in der Presse zitiert.

Bank Austria wehrt sich

Die Bank Austria bestreitet die Vorwürfe: „Das Gutachten bestätigt, dass das Marktrisiko des Primeo merklich geringer als das eines Aktienfonds war und die Gebühren marktüblich waren“, wird ein Bank-Austria-Sprecher im Artikel zitiert. Die Anleger seien im Prospekt auf das Risiko eines Verlustes hingewiesen worden. (FONDS professionell)